Gnalić - Das Wrack Gagliana

Wissenschaft ohne Grenzen – Ein neuer Blick auf Europa

Im Jahr 2013 ist Kroatien jüngster Beitrittspartner in die Europäische Gemeinschaft. In diesen für Kroatien und Europa historischen Zeiten begibt sich für mehrere Jahre ein hochmotiviertes Team an den Start, welches in seiner internationalen und interdisziplinären Zusammensetzung, den europäischen Gedanken nicht besser repräsentieren könnte. Ihr gemeinsames Ziel: Ein historisches Wrack in der Adria, das einen erhellenden Blick auf das schon im Mittelalter über den Handel eng verbundene Europa freigibt.

Der aktuelle Stand zu den Forschungen über das venezianische Wrack Gagliana ist durch Dr. Irena Radić Rossi (Universität Zadar) und Co-Autoren im Jahre 2013 auf Deutsch als Beitrag im Buch "Archäologie des Mittelmeeres" veröffentlicht worden. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse sind unglaublich spannend und interessant - als kleiner Auszug aus dem Beitrag wird im Nachfolgenden in zusammenfassender Form der momentan bekannte historische Hintergrund des Wracks und seiner Ladung näher vorgestellt.

Feuer im Harem

Seit 1574 herrschte in Konstantinopel (das heutige Istanbul) Sultan Murad III. über das Osmanische Reich. Er stand im Ruf, seinem Harem und seinem Privatleben auf Kosten wichtiger Staatsangelegenheiten zu viel Zeit gewidmet zu haben. Unglücklicherweise wurde im Mai 1583 sein Harem durch ein versehentlich ausgebrochenes Feuer zerstört. Aber der Sultan wusste sich zu helfen. Er befahl umgehend, dass alle verfügbaren Handwerker von Konstantinopel sowie die Angestellten seines Hofes den Harem wieder aufzubauen und seine frühere Pracht wieder herzustellen haben.

Der Sultan wollte nur die besten Materialien zur Renovierung seines Harems. Er wusste, dass seit dem Mittelalter Murano (eine kleine Insel bei Venedig) berühmt für seine Glasherstellung war. Kurzerhand bestellte er 5.000 runde Fensterscheiben beim venezianischen Senat. Obwohl das osmanische und das venezianische Reich zur damaligen Zeit nicht freundschaftlich verbunden waren, stimmte der Senat nach drei Monaten Beratung der finanziell lukrativen Bestellung zu.

Durch den Fund unglaublicher Mengen runder Artefakte aus Glas beim Wrack an der kleinen Insel Gnalić sind sich die Experten sicher: Es handelt sich um die Lieferung für Sultan Murad III.

Die wertvolle Ladung

Umgehend wurde ein Frachtschiff ausgewählt, um die bestellten Fensterscheiben zu transportieren. Es war 1569 in Venedig vom Stapel gelaufen und hatte eine Transportkapazität von etwa 675 t bei einer Rumpflänge von bis zu 40 m. Ende August 1583 begann die Beladung. Weitere Händler schlossen sich dem Transport an und beluden das Schiff mit verschiedenen, für den Markt von Konstantinopel bestimmten Waren: u.a. in Leder gefasste Brillen aus Nürnberg, Rollen mit gefärbten Damast, Hemden und Wollkappen, Messing-Leuchter aus Lübeck, Weingläser, Vasen, Spiegel und Schmuckperlen, Schellen, Rasierklingen und Nähutensilien.

Unscheinbar, kulturhistorisch aber eine Sensation: Eine Wollkappe aus dem Wrack bei der kleinen Insel Gnalić, die nur von Porträts aus dem 16. Jahrhundert bekannt war und nirgendwo aufbewahrt wurde.

Um der Mutter Murad III., Nurbanu, die venezianische Wurzeln hatte, eine Freude zu machen, packten die venezianischen Patrizier extra drei Ballen feinster Seide an sie als Geschenk ein. Kurz vor der Abreise wurden durch einen flämischen Händler auch noch zwei ungewöhnlich wertvolle Gepäckstücke an Bord gebracht: eine kleine eiserne Schatulle und eine Truhe in einer versiegelten Leinenrolle, prall gefüllt mit Edelsteinen.

Der Schiffbruch

Ende Oktober 1583 war es soweit, das voll beladene Frachtschiff legte in Venedig ab und nahm Kurs auf die östliche Adriaküste. Gerade noch rechtzeitig, denn vom 15. November bis 20. Januar galt auf Grund unberechenbarer Schlechtwetterlagen ein allgemeines Winterreiseverbot in venezianischen Gewässern.

Das Schiff stand unter dem Kommando von Kapitän Alvise Finardi, einem erfahrenen 65-jährigen Segler, der bereits zwei Schiffbrüche er- und überlebt hatte. Warum der Kapitän nicht direkt nach Konstantinopel segelte sondern vor der dalmatinischen Küste den Kurs Richtung Hafen von Biograd änderte, ist bis heute genauso wenig bekannt, wie die eigentliche Ursache des Schiffsbruchs. Es liegt nahe, dass das Schiff in einen Sturm geriet oder auf Grund eines Feuers an Bord bei der kleinen Insel Gnalić sank. Auf jeden Fall kamen bei dem Untergang Menschen ums Leben, wie zwei während der Untersuchungen im Jahre 1973 gefundene menschliche Knochen belegen.

Am Fuße der kleinen Insel Gnalić ereignete sich 1583 ein Schiffbruch, der heute Unterwasser-Archäologen aus der ganzen Welt das Herz höher schlagen lässt.

1583 - Erste Bergungsaktionen

Bereits am 9. November 1583 erreichte die Kunde vom Untergang Venedig. Nur einen Tag später hatten die venezianischen Notare bereits Abtretungsdokumente ausgefertigt, da die Ladung versichert war. Die Ansprüche der Eigentümer der Waren wurden an die Versicherer übertragen, um die Deckungssummen ausgezahlt zu bekommen.

Ein gewisser Manoli, griechischer Schwammtaucher und Korallenfischer, wurde umgehend mit der Bergung der gesunkenen Waren sowie der Ausrüstung und Takelage des Schiffs beauftragt. Sein Lohn: ein Drittel des Wertes der geborgenen Gegenstände. Auch spornten ihn sicher die Gerüchte an, dass sich etwas besonders Wertvolles an Bord des Schiffes befinden sollte.

Schon im Dezember 1583 begann Manoli mit der Bergung. Zeitgleich wurde eine Galeere zwecks Sicherstellung der Güter zum Ort des Unglücks entsendet. Anfang Januar 1584 fand Manoli die kleine Schatulle und die Truhe. Beide Behälter wurden nach Zadar und anschließend nach Venedig gebracht. In Anwesenheit eines Notars und der Wareneigentümer wurden sie geöffnet und es kamen Perlen, Diamanten und Smaragde, von denen einige noch roh, während andere in Anhänger und Ringe gefasst waren, zum Vorschein.

Sultan Murad III. musste trotz des Unglücks auf seine Fensterscheiben nicht verzichten. Der Senat von Venedig veranlasste eine neue Lieferung, die mit einem Teil der geborgenen Edelsteine wohl behalten Konstantinopel erreichte.

Schon am 26. Januar 1584 beendete Manoli seine Arbeit und verlangte in Zadar den Lohn für seine Dienste. Offenbar beabsichtigte er nicht, die gesamte Fracht und die Ausstattung des Schiffes zu heben, sondern nur so viel, dass er mit einem anständigen Gewinn aus dem Auftrag hervorging - aus heutiger Sicht ein Glückfall für die Archäologie, denn von den damals geborgenen Gütern ist heute nichts mehr vorhanden. Durch den Abschluss der Bergung geriet das Wrack mit seinen vielen weiteren Kostbarkeiten jahrhundertelang in Vergessenheit. Erst 1967 sollte, ausgelöst durch Funde kleiner archäologischer Preziosen durch Schwammtaucher von der Insel Murter, das untergegangene Frachtschiff als ein "Spiegel der Renaissance Europas" wiederentdeckt werden.

 

Zum Nachlesen und vieles mehr:

  • Radić Rossi, I., Bondioli, M., Brusić, Z., Castro, F. & Nicolardi, M. (2013): Das "Schiffswrack von Gnalić" - Spiegel der Renaissance Europas. - In: Reinfeld, M. (Hrsg.), Archäologie im Mittelmeer. Philipp von Zabern, Darmstadt Mainz: 62-72.
Name des Wracks Gagliana (tw. auch Gaiana, Gagliana grossa und Gnalić Wrack)
Ort Kroatische Adria, bei der kleinen Insel Gnalić, in Sichtweite der Hafenstadt Biograd.
Wassertiefe 24 Meter
Gesunken Im Jahr 1583 auf der Reise von Venedig nach Konstantinopel. Ursache unbekannt
Schiffstyp Früher glaubte man, es wäre eine Galeere. Aktuell wird davon ausgegangen, dass es sich um ein ca. 40 m langes Frachtschiff mit drei Segelmasten handelt
Ladung Handelsgüter für Sultan Murad III. und den Markt von Konstantinopel, darunter eine Vielzahl archäologischer Besonderheiten, die aus ganz Europa stammten: in Leder gefasste Brillen aus Nürnberg, Rollen mit gefärbten Damast, eine große Anzahl Messing-Leuchter aus Lübeck, Messingplatten und -kabel, Zinnbarren, Chemikalien wie Quecksilber und Zinnober, Glasobjekte aus Murano (u.a. Gläser, Vasen, Glasscheiben), kleinere Objekte wie z.B. Schellen, Rasierklingen, Schmuckperlen, Nähutensilien. Neben gebrauchsfertigen Produkten wurden demnach auch Rohstoffe transportiert
Entdeckt In den 1960er Jahren durch Schwammtaucher aus Murter
Frühere Untersuchungen Zwischen 1967 und 1974 erste archäologische Untersuchung durch Universität Zadar mit Teil-Bergung der Ladung und Schiffsausstattung (u.a. 9 Kanonen, 2 Anker) durch kroatische Marine. 1996 zweite archäologische Untersuchung durch Universität Zadar / Dr. Brusić mit Teil-Bergung der Ladung unter Einsatz deutscher Taucher aus Koblenz unter Leitung von H. Siepenkötter. 2004-2005 kleines internationales Forschungsprojekt der EU zur vertieften archäologischen Bearbeitung der Funde (Universität Zadar in Zusammenarbeit mit Archäologen u.a. aus England, Italien und Slowenien). Viele der ausgegrabenen Fundstücke wurden der Allgemeinheit in Ausstellungen bereits zugänglich gemacht. Eine Dauerausstellung zum Wrack und seiner Ladung gibt es im Stadtmuseum von Biograd
Aktuelle Untersuchungen Nach einem Workshop mit Voruntersuchung 2011 und einer kleinen archäologischen Grabung im Sommer 2012 finden seit Sommer 2013 am Wrack bei Gnalić erste umfassendere Ausgrabungen statt. Schwerpunkt des Projekts "Gnalić-Wrack" bildet die Erforschung des Schiffskörpers, da bisher wenig über die Bauweise und Ladungskapazität von Handelsschiffen des 16. Jahrhunderts bekannt ist. Neben der Bergung weiterer Ladung sollen auch ergänzend die Auswirkungen des Wracks auf die maritime Umwelt sowie die Besiedlung des Wracks durch holzzerstörende Organismen (Schiffsbohrwürmer, Pilze) untersucht werden. Die Laufzeit des Projekts ist momentan auf 10 Jahre veranschlagt.

Das Direktoren-Team des Projekts Dr. Irena Radić Rossi (Universität Zadar) und Dr. Filipe Castro (Texas A&M University) setzen dabei auf Kompetenz aus vielen Nationen und Disziplinen: Neben Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen (Geschichte, Archäologie, Biologie, Ingenieurwissenschaften) aus Kroatien, USA, Frankreich und anderen Ländern unterstützen deutsche Sporttaucher und lokale Tauchbasen die Unterwasserarbeiten des Projekts.

Das Gnalić-Projekt: Initiatoren und Unterstützer Das Gnalić-Projekt wurde initiiert von: Gemeinde Biograd na moru, University of Zadar, Texas A&M University, Forum of the Adriatic and Ionian Cities. Unterstützt von: Croatian Ministry of Culture, Homeland Museum of Biograd, Institute of Nautical Archaeology, Center for Maritime Archaeology and Conservation at Texas A&M University, Institute of Art History – Center Cvito Fiskovic in Split, Museum of Ancient Glass in Zadar, Faculty of Electronic Engineering and Computing / University of Zagreb, National Museum in Zadar, University of Dubrovnik, University Ca’Foscari – Department of Management, Polytechnic University of delle Marche / Ancona, University of Patras – Department of Geology / Greece, CNRS, through the Musée de la Marine and the Laboratory of Sciences of Information and Systems at Marseilles, AURORA Institute of Maritime Studies in Malta, Institute of Intelligent Systems for Automation / Genova, Museo della Marineria di Cesenatico, Die Tauchbasis / Koblenz, Verein zur Förderung der Unterwasser-Archäologie e.V. / Koblenz (FUWA e.V.).

Seit Sommer 2013 unterstützt der FUWA e.V. in Zusammenarbeit mit der Tauchbasis Koblenz die offiziellen archäologischen Arbeiten am venezianischen Wrack Gagliana in der kroatischen Adria. Die Einsätze im Dienste der Wissenschaft und im Dienste der gemeinsamen europäischen Kultur erfolgen ehrenamtlich und auf eigene Kosten der Sporttaucher. Damit die Gruppe der Sporttaucher das Wissenschaftler-Team kompetent unterstützen kann, bereiten sich die Teilnehmer sorgfältig auf ihren Einsatz vor: Spezialkurse in Unterwasser-Archäologie, Rettungskurse und Taucherfahrung sind einige Eckpunkte, die alle Teilnehmer vorweisen müssen.

2017

Das Gnalić-Projekt ist von ganz besonderer Bedeutung für den FUWA e.V., denn es war der Auslöser zur Gründung unseres Vereins zur Förderung der Unterwasser-Archäologie im Jahr 2013. Seit nunmehr fünf Jahren steht der Sommer für den FUWA e.V. voll im Zeichen dieses historisch besonders wertvollen Wracks. Viele spannende und interessante Tauchgänge sowie unzählige nette Kontakte zu Archäologen aus der ganzen Welt stehen zu Buche. Viele wichtige neue Erkenntnisse konnten bisher mit unserer Unterstützung in Zusammenarbeit mit der Koblenzer Tauchbasis am Wrack gewonnen werden. Auch bei unserem kleinen fünfjährigen FUWA-Jubiläum stand als erstes die vollständige Einrichtung der Grabungsstelle an. Insgesamt waren 14 Mitglieder und Unterstützer des FUWA e.V. für drei Wochen im ehrenamtlichen Einsatz. Dabei wurden auch neue Bereiche am Wrack freigelegt. Noch birgt das Wrack aber viele weitere Geheimnisse, die es zu erforschen gilt. Wir hoffen, auch nächstes Jahr wieder genügend Sporttaucher für dieses spannende Projekt gewinnen zu können, um die finanzielle, technische und taucherische Unterstützung vor Ort realisieren zu können.

2016

Auch diese Jahr stand der FUWA e.V. gleich zu Beginn der vierwöchigen Kampagne vor der besonderen Aufgabe: Vollständige Einrichtung der Grabungsstelle am Wrack der Gagliana. Souverän gemeistert konnte anschließend unter Federführung der Universität Zadar die weitere Freilegung in Angriff genommen werden. Insgesamt wurden rund 500 Tauchgänge absolviert, davon 300 durch uns. Wie in den Jahren zuvor haben die angereisten Teilnehmer durch den gezahlten Reisepreis einen Großteil der Grabungskosten getragen. Daneben hat der FUWA e.V. einen Teil der weiteren Kosten (teilweise Schiff, Transportkosten) übernommen. Durch die Reiseorganisation und Zusammenarbeit mit Die Tauchbasis konnte elementar wichtiges Equipment (u.a. Kompressor, Grid, Pumpen, Schläuche, Transportkörbe, Tauchausrüstungen) zur Verfügung gestellt werden. Erstmals kam auch das neue Boot der Tauchbasis zum Einsatz.

2015

Nach knapp einer Woche hatte es der FUWA e.V. geschafft: Die Grabungsstelle am Wrack war komplett eingerichtet und das erste Ziel der Feldkampagne - Suche und Freilegung des Hecks - konnte in Angriff genommen werden. Unerwartet haben wir den Übergang vom Kiel zum Heck schon nach wenigen Tauchtagen gefunden, so dass ein wesentlicher Schritt zur Rekonstruktion des Schiffskörpers durch uns getan wurde. Unter Federführung der Universität Zadar wurden innerhalb unseres zweiwöchigen ehrenamtlichen Einsatzes insgesamt rund 210 Tauchgänge absolviert, davon 160 durch uns. Zusätzlich hat der FUWA e.V. Unkosten für Schiff, Flaschenfüllungen etc. übernommen. Zudem stellt der FUWA e.V. in Zusammenarbeit mit Die Tauchbasis für die gesamte Feldarbeit bis Mitte Oktober umfangreiches technisches Equipment (u.a. Kompressor, Tauchflaschen, Atemregler, Saugpumpe) zur Verfügung.

2014

Vier Wochen lang waren im Sommer 2014 insgesamt 14 FUWA-Mitglieder und Sporttaucher im ehrenamtlichen Taucheinsatz am Wrack Gagliana. Unter Federführung der Universität Zadar wurden insgesamt rund 800 Tauchgänge absolviert, davon 350 durch uns. Zusätzlich übernahm der FUWA e.V. Unkosten für Schiff, Flaschenfüllungen etc. und stellte für die gesamte Feldarbeit umfangreiches technisches Equipment zur Verfügung. Ziel der Kampagne war die weitere Freilegung des Schiffskörpers, um vor allem mehr über die Ladung und die Konstruktion dieses über 400 Jahre alten venezianisches Handelsschiffes zu erfahren. Größter Erfolg dieser Kampagne war der Fund des Kiels, womit endlich der noch vorhandene Holzkörper hinsichtlich seiner genauen räumlichen Position in der Schiffskonstruktion bestimmt werden kann.

2013

Im Sommer 2013 hat ein Team von Sporttauchern aus Deutschland über 6 Wochen die Arbeit der Wissenschaftler vor Ort unterstützt. Unter Federführung der Universität Zadar wurden im Zeitraum insgesamt 1.200 Tauchgänge am Wrack absolviert, davon rund 500 Tauchgänge durch 24 FUWA-Mitglieder und weitere deutsche Sporttaucher. Zusätzlich wurden durch Die Tauchbasis und den FUWA e.V. technische Gerätschaften (u.a. Saugpumpen und -rohre, Stromaggregat, Hebesäcke, Tauchflaschen) zur Verfügung gestellt sowie Unkosten für Schiff, Flaschenfüllungen etc. übernommen.

Die Idee: Jeder Teilnehmer, der Lust hat, kann über ein besonderes Erlebnis oder Ereignis berichten.

Das Resultat: Spannende persönliche Einblicke in ein internationales Ausgrabungsprojekt.

Eine Feldküche und die Frage: Wie viele werden wir sein?

Eigentlich war es anders geplant, aber ein gutes und produktives Team zeichnet sich dadurch aus, dass es auch auf unvorhergesehene Situationen professionell reagieren kann. Unser Küchenmeister, ein Freund, der die Versorgung des Teams übernehmen sollte, verließ uns nach nur 2 Wochen. Nun hieß es, das Team so zu organisieren, dass wir weiterhin produktiv waren und trotzdem satt wurden. Ja und manchmal sind es genau diese Situationen, die ein Team noch enger zusammenwachsen lassen. So wurde die Arbeit in der Küche, das Einkaufen, das Kochen, das Reinigen aufgeteilt und - es funktionierte. Es funktionierte so gut, dass wir uns die Bäuche rieben und dachten: Mann war das lecker. Nun, unsere wechselnden Köche (Christa, Ivana, Fabe, Mirko) ließen sich nicht lumpen. Unglaublich was da gezaubert wurde: gegrillte Doraden, gefüllte Paprikaschoten, Suppen, Rinderrouladen, Pasta, Salate, Eintöpfe, Sauerkraut und Bratwurst.

Ohne Frage ist es auch eine besondere Herausforderung, für mehr als 20 Personen, Taucher im Besonderen, zu kochen und alle Mahlzeiten am Tag zu organisieren. Unvorstellbare Mengen werden da an langen Tagen mit Arbeit und anspruchsvollen Tauchgängen verdrückt. Da wird man schon zum besten Kunden des Metzgers und Gemüsehändlers im Ort. Immer hatten wir einen Riesenvorrat an Gurken, Tomaten und Paprika auf Lager, aber auch gigantische Mengen an Keksen und Schokolade (ein Muss nach den Tauchgängen in der Tiefe, die mit der Zeit dann schon auch kalt wurden). Hin- und wieder tauchten Gäste auf, so dass die spannendste Frage immer war: Wie viele Personen werden wir wohl beim Essen sein? Also galt immer die Devise: Machen wir mal reichlich!
(Christa S.)

Eine Ausgrabung UW mit ca. 20 Tauchern, mit der Hand oder Technik?

Viele waren überrascht, mit welcher Technik die FUWA anreiste. Ein großer mannshoher Anhänger wurde am ersten Tag entladen und enthielt: Unterwasserpumpen, Schläuche, wasserfestes Papier, Klemmbretter, Tauchflaschen, Kompressoren, Erste-Hilfe-Ausrüstung (Notfallkoffer), Zelt für ca. 25 Personen, Kühlschrank, Geschirr für 30 Personen (Teller, Gläser, Besteck, Tassen), ein Schrank, improvisierte Abwaschgelegenheit, Verpackungsmaterial, Metalldetektor, Gewürze, Vorräte u.v.m.

Auch bei diesem Projekt stellte sich heraus: "Teamgeist" ist das Zauberwort, um sich jeden Tag, auch wirklich jeden Tag, auf neue Situationen einzustellen.

Ich danke jedem FUWA-Mitglied für die Hilfe! Ganz besonderer Dank gilt Peter, der sich opferte und auf Tauchgänge verzichtete, um Flaschen zu füllen. Archäologie ist nicht nur Geschichte und Tauchen, sondern auch Freunde kennenlernen, Teamgeist erleben und sich auf andere verlassen können. Es ist eindeutig nichts für Einzelkämpfer.
PS: Ich bin seit dem Projekt in Kroatien keks- und schokoladensüchtig. (Herbert S.)

Grundnahrungsmittel für Unterwasserarchäologen

Das Tauchen im Allgemeinen unterliegt bekanntermaßen bestimmten Gesetzmäßigkeiten. So wird zum Beispiel bei jedem Tauchgang Sauerstoff vorgehalten, für den Fall eines Notfalls. Für das Gagliana-Projekt entwickelte sich schnell ein neuer, geradezu revolutionärer Grundsatz heraus: Tauche nie ohne Kekse! Das Keks-Prinzip fand schnell große Akzeptanz unter den archäologischen Tauchern auf dem Boot und man sah sie vor und nach den Tauchgängen selig lächelnd kauen und mit Krümeln auf dem Neopren an der Reling sitzen. Neben den offiziellen Vorräten zur Verpflegung, die oft schon nach dem ersten Tauchgang verzehrt waren, entwickelte sich eine gewisser Selbstversorgungstrieb an Bord und erstaunlich große Vorratspackungen wurden bald aus den privaten Tauchtaschen hervorgezaubert. Manch ein Teilnehmer äußerte gar die Meinung, der große Erfolg des Projektes sei maßgeblich den kroatischen Keksen zuzuschreiben!

Die großen Tauchsportorganisationen erwägen inzwischen, das Keks-Prinzip in ihre Standards aufzunehmen und besonders verdienten Tauchern das Ein-, Zwei-, oder Drei-Keks- Brevet zu verleihen.
(Clemens H.)

Ein kleiner Handgriff mit großer Wirkung

Da hatte ich mich gefreut, sie auf einem schwankenden Boot allein angezogen zu haben und nun das: Irena verkündet mit leuchtenden Augen, dass unten am Wrack die Devise lautet: Flossen aus! Oh man, schießt es mir durch den Kopf, kaum an, schon wieder ausziehen...

Sei's drum, archäologisches Tauchen ist eben doch etwas Besonderes. Und es ist unglaublich, in welche Erlebniswelt man unter Wasser nach einem sicherlich beim ersten Mal etwas ungelenk aussehendem Flossen ausziehen eintaucht. So muss es den ersten Menschen auf dem Mond auch ergangen sein, wenn man sich die Fernsehbilder in Erinnerung ruft: ausgelassenes Rumhüpfen in einer anderen, schwerelosen Welt. Unter Wasser ist es natürlich nur eine scheinbare Schwerelosigkeit, die aber der echten in nichts nachsteht. Sprung, Schweben, Landen, Sprung.... Wer das noch nie gemacht hat, der hat etwas versäumt!
(Stefan N.)

Wie geht's?

Diese Frage gehörte jeden Morgen zur guten Laune im Camp des Gnalic-Projektes. Aber wie soll man fragen, wenn Taucher und Taucherinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus vielen Ländern der Welt dabei sind?

Kako si? (kroat.), Come sta? (ital.), Como está? (portugies.), ¿Cómo estás? (span.), Hoe gaat het? (niederländ.), お元気ですか?(japan.) und auch noch ازيك؟ (ägypt.).

Die Lösung liegt auf der Hand! Die Weltsprache Englisch wird es einfach übermitteln:
How are you? - Und die Welt ist in Ordnung.
(Ute A.)

Kurz vor sieben

Kurz vor sieben, Herbert und ich fahren zum Supermarkt. Peter wartet schon davor. Tomaten, Eier, Milch, Käse, Wurst, Orangensaft, eine große Wassermelone… und Kekse, bloß die Kekse nicht vergessen. Jetzt zum Bäcker. Hier haben wir für jeden Tag frisches Brot und Vollkornstangen bestellt. Nun in das kleine Cafe am Hafen. Einen Capuccino und ein Glas Wasser, wie es alle hier machen. Ich habe das Gefühl als wäre hier jeden Morgen eine kleine „Gemeinderatsitzung“: Man trifft sich, tauscht die Zeitung miteinander aus und diskutiert in einer für mich unbekannten Sprache. Zurück zur Basis und ein großes, gemeinsames Frühstück. Der Tag kann beginnen!
(Stefan K.)

Die erste Begegnung mit dem Wrack…..Wie im Märchen….

Das Schiff war beladen und die Fahrt Richtung Wrack begann. Die Spannung stieg und nach ca. einer Stunde waren wir da. Einteilung der Schichten, Besprechung der Arbeitsaufträge, Briefing und schon ging es zum ersten Mal ans Wrack. Was sollte mich dort erwarten?

Mit Spannung ging es in die Tiefe. Um einen Überblick zu bekommen, gab es erst eine Orientierungsrunde rund ums Wrack. Es war schon beeindruckend, dies alles live zu sehen, was man sonst nur aus dem Fernseher kennt. Dann ging es an meinen „Arbeitsplatz“. Mein Arbeitsauftrag lautete: “C17 Perlen einsammeln!“ Eine Archäologin war schon dort und ich gesellte mich, nachdem ich meine Flossen sicher verankert hatte, neben sie und begann mit Handschuhen, stecknadelkopfgroße Perlen aufzusammeln.

Im ersten Moment kam ich mir vor wie Aschenputtel. „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen!"Aber schnell kam ein beeindruckendes Gefühl in mir auf. Überall lagen Perlen herum. Runde, längliche, weiße, blaue und schwarze. Wenn einem dann bewusst wird, das diese schon über 400 Jahre dort liegen und hätten an einem Gewand des Sultans hängen können, ist das schon ein beeindruckendes Gefühl. Während ich diese Gedanken noch nicht zu Ende gesponnen hatte, kam auch schon das Zeichen, das die Zeit um sei und wir wieder auftauchen müssen. Dies war der Anfang einer sehr interessanten Zeit.
(Christina K.)

Auch nach 400 Jahren auf dem Meeresgrund haben die Murano-Glasperlen ihren Zauber nicht verloren.

 

Jetzt bewerben und anmelden: 31.07. - 10.08.2019 / Projekt Gnalić