Entdeckung und Forschungsarbeiten

Name der römischen Hafensiedlung Cissa (lat.) (tw. auch Kissa).

Ort

Kroatische Adria, Bucht von Caska, in der Nähe von Novalja auf der kroatischen Insel Pag.
Existenz






In der Antike besiedelten zuerst Liburner die Insel Pag. Im 2. Jahrhundert v. Chr. gerieten sie jedoch unter römischen Einfluss. Die Hafensiedlung Cissa wurde in den Werken des römischen Geografen Plinius des Älteren erstmals erwähnt. Cissa entwickelte sich während der römischen Herrschaft zu einem politischen Verwaltungs- und Seehandelszentrum, das auch Anlaufort vieler Handelsschiffe war. Mit wahrscheinlich bis zu 5000 Bewohnern war es damals die größte römische Ortschaft auf Pag.
  Warum die Siedlung zum Ende des 4. Jahrhunderts aufgegeben wurde, ist unbekannt. Man vermutet, dass entweder ein Erdbeben Cissa zerstörte oder anhaltende Erosion der Uferbereiche verbunden mit einem steigenden Meeresspiegel eine Besiedlung unwirtschaftlich werden ließ. Im Vergleich zu früher liegt der Meeresspiegel heute circa zwei Meter höher, so dass vor allem der antike Hafenbereich aktuell größtenteils unter Wasser liegt.
Entdeckt







Dass sich in der Bucht von Caska eine römische Siedlung befand, ist seit langem bekannt. Eine eingehende archäologische Untersuchung der Besiedlung und des Hafens wurde aber erst durch die Entdeckung 2004 eines römischen Schiffsankers aus Holz ausgelöst. Eine Sensation, denn weltweit sind bisher nur sieben derartige Anker gefunden worden. 2007 wurde auch ein römisches Schiffswrack (Caska 1) entdeckt. 2012 folgte die Entdeckung eines zweiten römischen Schiffswracks (Caska 2) in der Bucht. In den folgenden Jahren wurden bislang zwei weitere römische Wracks entdeckt (Caska 3 und 4).
Forschungsprojekt







Zur systematischen archäologischen Erkundung von Cissa an Land und unter Wasser wurde auf Initiative der Stadt Novalja 2009 das interdisziplinär ausgerichtete internationale Forschungsprojekt "CissAntiqua" ins Leben gerufen. Das Projekt steht unter Leitung der Abteilung Archäologie der Universität Zadar (Dr. Irena Radic Rossi) und dem französischen Nationalen Institut für wissenschaftliche Forschung (CNRS) aus Marseille (Dr. Giulia Boetto). Am Projekt beteiligt sind eine Reihe weiterer wissenschaftlicher und kultureller Institutionen und Organisationen aus dem In- und Ausland.
  "CissAntiqua" wird vom kroatischen Ministerium für Kultur, vom französischen Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten, durch die Stadt Novalja und mehrere in- und ausländische Sponsoren finanziert. Seit 2014 unterstützen auch Die Tauchbasis / Koblenz und der Verein zur Förderung der Unterwasser-Archäologie e.V. / Koblenz (FUWA e.V.) die Arbeiten im Rahmen von "CissAntiqua" durch aktive Mitarbeit und mit technischem Equipment.

Römische Wracks

Caska 1                                  







2007 wurde in der Nähe des berühmten Thunfisch-Turms, ein Relikt aus glanzvollen Zeiten einer intensiven Thunfisch-Fischerei, nur 30 Meter vom Ufer entfernt ein römisches Schiffswrack entdeckt. Es handelte sich um ein kleines, nur acht Meter langes Handelsschiff, dessen Planken mit Seilen aus Pflanzenfasern zusammengenäht waren. Der Schiffstyp war im Gebiet der Liburner, deren Siedlungsschwerpunkt im heutigen Dalmatien lag, weit verbreitet. 2009 und 2010 wurde der gesamte Rumpf des Schiffs freigelegt. Das Schiff war mit einer Mischung aus Bruchsteinen und Putz gefüllt. Es ist wahrscheinlich absichtlich versenkt worden, um Teil einer Anlegestelle im Hafen zu werden.
  Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Wrack unter Wasser mit einem speziellen Käfig zum Schutz vor illegalen Grabungen überbaut und gesichert. Eine kleine Dauerausstellung zum Wrack gibt es im Stadtmuseum von Novalja.
Caska 2








2012 folgte etwas weiter im Inneren der Bucht und rund 100 Meter vom Ufer entfernt die Entdeckung eines zweiten römischen Schiffswracks. 2013 wurde eine erste archäologische Voruntersuchung durchgeführt. Ziel war es, eine erste Übersicht über das Ausmaß und die Bauweise des Schiffs zu erhalten. Es handelte sich um ein circa 15 Meter langes Schiff aus dem 1. oder 2. Jahrhundert. Seine Holzkonstruktion beruht auf traditioneller Zapfen- und Nutbauweise, wie sie zu römischer Zeit im Mittelmeerraum weit verbreitet war. Nach Abschluss der Voruntersuchung wurden die freigelegten Holzplanken und -spanten mit Sandsäcken stabilisiert und mit Geotextilmatten, die zusätzlich mit Felsbrocken beschwert wurden, gesichert.
  2014 und 2015 wurde mit Unterstützung des FUWA e.V. eine vollständige Freilegung des Schiffskörpers in Angriff genommen. Sehr wahrscheinlich wurde das Schiff zu damaliger Zeit ebenfalls absichtlich versenkt, da die gesamte Ladung aus Felsbrocken bestand. Das Schiff diente offensichtlich als stabile Grundlage für den Bau einer neuen Hafenmole oder -pier, wie weitere entsprechende Steinansammlungen im Bereich des Wracks belegen. Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Wrack unter Wasser mit Sandsäcken stabilisiert und mit Geotextilmatten, die zusätzlich mit Felsbrocken beschwert wurden, langfristig gesichert.
Caska 3

Bei der Grabung Caska 2 wurden im Wrack Reste eines weiteren römischen Holzschiffes entdeckt, Caska 3.
  Die gesamten Reste dieses Wracks wurden 2015 u.a. mit Hilfe des FUWA e.V. zur weiteren Untersuchung geborgen.
Caska 4








2016 wurde in der Nähe von Caska 1 direkt auf Höhe des Thunfisch-Turms in nur 2-3 Meter Wassertiefe ein viertes römisches Schiffswrack entdeckt. Beim Wrack Caska 4 handelt es sich ebenfalls um ein genähtes Schiff, bei dem die Planken mit Seilen aus Pflanzenfasern zusammengenäht waren. Eine erste archäologische Voruntersuchung zeigte, dass neben dem Wrack, von dem einige Planken und Spanten freigelegt werden konnten, dort weitere Holzkonstruktionen vorhanden sind, die wahrscheinlich ebenfalls als Bestandteile für die Gründung der Kaianlagen dienten. Nach Abschluss der Voruntersuchung wurde der gesamte Bereich mit Sandsäcken stabilisiert und mit Geotextilmatten, die zusätzlich mit Felsbrocken beschwert wurden, gesichert.
  2017 wurde mit Unterstützung des FUWA e.V. eine weitergehende Freilegung des Schiffskörpers in Angriff genommen. Sehr wahrscheinlich wurde das Schiff zu damaliger Zeit ebenfalls absichtlich versenkt, da die gesamte Ladung aus Felsbrocken bestand. Es ist davon auszugehen, dass weitere Schiffe in der Bucht von Caska durch die Römer versenkt worden sind. Weitere archäologische Untersuchungen sind geplant.

Landgrabung

Landgrabung





        Von der antiken Siedlung sind an Land Reste einiger Gebäude und Mauern, eines Aquädukts, mehrerer Abwasserkanäle und der einstigen Akropolis erhalten. Archäologen legten bisher auch zehn Grabstätten frei, die auf Begräbnisrituale der einstigen Bewohner von Cissa hinweisen. Unter den archäologischen Funden gilt der Opferaltar Calipurnias, der Tochter des römischen Konsuls Lucius Pisonus, die um das Jahr 20 n. Chr. nach Cissa flüchtete, als bisher bedeutendster Fund.
Aktuelle Untersuchung



        Die Landgrabung ist in fünf Sektoren eingeteilt. Viele Gebäude befanden sich größtenteils auf einem mit einer langen Mauer gesicherten Steilufer. In der Mauer befand sich auch mindestens eine Nische, in der wahrscheinlich eine Statue stand. Es wurden auch mehrere in den Fels getriebene Kanäle gefunden, die durch die Mauer Regenwasser und Abwässer in die Bucht leiteten.
          Aktuell konzentrieren sich die Arbeiten auf die Freilegung von Mauerresten einer Villa in Sektor 3 und 4. Die teilweise noch sehr gut erhaltenen Wände sind auf den Innen- und Außenseiten verputzt gewesen. Farbreste deuten auf eine Bemalung hin. Aktuell konnten auch Bruchstücke eines Fußbodenmosaiks gefunden werden. Durch den Einsatz des FUWA Metalldetektors wurden auch mehrere metallische Objekte entdeckt, die momentan näher untersucht werden.